Bei «internen Ver­rechnungs­preisen» (Transfer Pricing) denken viele zuerst an Gross­konzerne. Doch auch Schweizer KMUs mit mehreren Gesell­schaften müssen gemäss Schweizer Steuer­recht Leistungen und Waren inner­halb der Unter­nehmens­gruppe zu markt­üblichen Preisen abrechnen. Dies kann insbe­sondere bei inter­kantonalen Sach­verhalten relevant sein.

Für KMUs ergibt sich daraus eine doppelte Chance: Wer seine internen Ver­rechnungs­preise sauber dokumentiert, vermeidet un­nötige Diskussionen mit den Steuer­behör­den und gewinnt gleich­zeitig mehr Klarheit über interne Abläufe, Synergien und Einspar­poten­ziale.

Wann sind interne Ver­rechnungs­preise relevant?

Interne Ver­rechnungs­preise sind immer dann relevant, wenn Waren oder Dienst­leis­tungen innerhalb eines Konzerns oder zwischen nahe­stehenden Personen ausgetauscht werden – beispiels­weise bei internen Services wie Personal­wesen, Finanz- oder Marketing­dienst­leistungen, bei Darlehen zwischen Gesell­schaften oder bei Lieferungen von Produkten. Diese Leistungen müssen so abgerechnet werden, wie es auch zwischen unabhängigen Firmen üblich wäre (Fremdvergleich).

Was passiert bei nicht markt­gerechten Verrechnungs­preisen?

Sind die Verrechnungspreise nicht marktgerecht, kann das steuerliche Folgen haben:

  • Die Steuerbehörden können im Rahmen von Veran­lagungen oder Prüfungen bei der einen Gesell­schaft Korrekturen vorneh­men, was zu höheren Gewinn­steuern führen kann. Zwar könnte die andere betroffene Konzern­gesell­schaft einen entsprechen­den Aufwand geltend machen, doch ist dies in der Praxis teilweise nicht oder nur erschwert möglich – etwa aufgrund abgelaufener Fristen oder bereits rechtskräftiger Veranlagungen.
  • Solche Korrekturen gelten in der Regel als «geldwerte Leistung», welche grund­sätz­lich der Verrechnungssteuer von 35% unterliegen. Eine entsprechende Rückerstattung der Verrechnungssteuer ist nicht in jedem Fall gewährleistet.
  • Es drohen Nachsteuern, Zinsen – und bei wiederholten Fehlern sogar Bussen.

Besonders relevant ist dies bei Transaktionen zwischen Kantonen mit unterschiedlichen Steuersätzen, da sich ein steuerlicher Effekt direkt aus der Differenz der Steuersätze ergibt.

Wie legt man den richtigen Preis fest?

Es gibt verschiedene Ver­rechnungs­preis­methoden, um marktgerechte Preise zu ermitteln. Die wichtigsten Methoden sind:

  • Preisvergleichsmethode: Direkter Vergleich mit Preisen zwischen un­abhängi­gen Dritten.
  • Wie­der­verkaufs­preis­methode: Vom Wie­derver­kaufs­preis wird eine ange­messene Bruttomarge abgezogen.
  • Kostenaufschlagsmethode: Auf die internen Kosten wird ein marktüblicher Gewinnaufschlag addiert.
  • Gewinnaufteilungsmethode: Der kombi­nierte Konzern­gewinn wird auf Basis ökonomischer Kriterien (z.  Funktionen, Risiken, eingesetzte Vermögens­werte) auf die beteiligten Gesellschaften verteilt.
  • Nettomargenmethode: Vergleich der Nettomargen mit jenen vergleichbarer Drittunternehmen.

Die Wahl der Methode hängt stark von der Art der Leistung, den verfügbaren Vergleichs­daten und der Struktur der Gruppe ab.

Gibt es gesetzliche Vorschriften?

In der Schweiz gibt es keine expliziten gesetzlichen Vorschriften zu Ver­rechnungs­preisen. Die steuerliche Praxis richtet sich nach Anweisungen und Richtlinien der Steuerbehörden. Zudem besteht – im Gegen­satz zu vielen anderen Ländern – keine Pflicht zur Erstellung einer Ver­rechnungs­preis­doku­mentation. Aber: Wer seine Preis­logik sauber dokumentiert, schafft Transparenz gegenüber den Steuerbehörden, dokumentiert die getroffenen Verrechnungs­preis­fest­legungen und zeigt nachvollziehbar auf, wie diese in der Praxis umgesetzt wurden. Gerade bei Be­triebs­prüfungen verschafft man sich damit einen entscheidenden Vorteil.

Eine gute Dokumentation zeigt:

  1. Wer gehört zur Gruppe? Die Doku­menta­tion enthält eine vollständige Übersicht über alle zur Gruppe gehörenden Gesell­schaften und gege­benen­falls nahestehende Personen.
  2. Welche Leis­tungen werden ausgetauscht? Es wird das wirt­schaftliche Tätig­keits­feld der Unternehmens­gruppe beschrieben. Dabei werden insbesondere die internen Leistungs­beziehungen entlang der konzern­internen Wert­schöpfungs­kette sowie Art und Umfang der ausge­tauschten Leistungen darge­stellt.
  3. Wer übernimmt welche Aufgaben und Risiken? Ein zentrales Element der Doku­menta­tion ist die Analyse der Funktionen, Risiken und einge­setzten Vermögens­werte der beteiligten Gesell­schaften. Dabei wird aufge­zeigt, welches Unternehmen im Rahmen einer Transak­tion welche Aufgaben wahrnimmt, welche Risiken es übernimmt und welche Vermögens­werte es nutzt oder bereitstellt.
  4. Welche Preise wurden wie ermittelt? Die Dokumentation enthält eine vollständige Auflistung sämtlicher konzer­ninterner Transaktionen. Für jede Transak­tion werden die Art und der Inhalt der Leistung, die verrechnete Ent­schädi­gung, Leistungs­empfänger/-erbringer sowie die gewählte Ver­rechnungs­preis­methode (z. B. Kosten­aufschlags- oder Vergleichs­preis­methode) angegeben.

In komplexen oder wirt­schaftlich bedeutenden Fällen lohnt es sich, zusätzlich ein Steuer­ruling anzufordern, um die gewählte Ver­rechnungs­preis­methodik früh­zeitig mit den Steuer­behörden aufzunehmen und Rechts­sicher­heit zu schaffen.

Organisationsentwicklung: Mehrwert über steuerliche Aspekte hinaus

Eine interne Verrechnungs­preis­analyse ist weit mehr als ein rein steuer­liches Erfordernis – sie liefert wertvolle Impulse für die strate­gische und operative Weiter­ent­wicklung der Organisation:

Ziel­gerichtete Steuerung von Geschäfts­bereichen: Kosten und Erträge werden transparent – ineffiziente Geschäfts­bereiche lassen sich gezielt verbessern oder abbauen.

Synergien innerhalb der Gruppe nutzen: Doppelte Arbeiten werden sichtbar, zentrale Dienste wie IT oder Einkauf können effizienter organisiert werden.

Strukturen verschlanken und Prozesse automatisieren: Klare Regeln ermöglichen auto­mati­sierte Prozesse und weniger Abstimmungs­aufwand.

Fundierte Investi­tions­entschei­dungen ermöglichen: Realistische Preise schaffen die Basis für Standort­vergleiche, Investitionen oder Make-or-Buy-Analysen.

Vertrauen durch nachvoll­zieh­bare Unternehmens­führung: Eine transpa­rente Preis­gestal­tung stärkt die Glaub­würdigkeit – bei Behörden, Investoren und Mitarbei­tenden.

Wie steht es um Ihre internen Verrechnungspreise?

Wir analysieren Ihre aktuelle Preisgestaltung und prüfen, ob sie steuerlich plausibel und organi­sato­risch sinnvoll ist. Mit einer passenden Ver­rech­nungs­preis­doku­mentation unterstützen wir Sie bei der Identifikation von Synergien und der Einfüh­rung oder Optimierung interner Verrech­nungs­systeme. Damit Sie steuer­lich abgesichert sind.

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